Zusammenfassender Bericht der Fachveranstaltung vom 5.4.2006 im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Wohnungswirtschaftliche Zwischenbilanz nach vier Jahren Stadtumbau Ost und künftie Perspektiven des Stadtumbaus waren die zentralen Themen der zweiten großen Fachveranstaltung, die die Bundestransferstelle Stadtumbau Ost gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Berlin durchgeführt hat. Rund 150 Stadtumbauexperten aus Wohnungsunternehmen, Verbänden der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, dem Bankensektor sowie aus Bund, Ländern, Kommunen und Forschungseinrichtungen diskutierten über Fragen der wohnungswirtschaftlichen Umsetzung des Stadtumbaus und darüber, welche Handlungsmöglichkeiten sich für Wohnungsunternehmen und ihre Partner ergeben, um den anhaltenden Strukturwandel erfolgreich zu gestalten. Während die erste Fachveranstaltung der Transferstelle unter dem Titel „Stadtumbau braucht Aufwertung!“ im November 2004 den Blick in erster Linie auf städtebauliche Fragen richtete, stellte diese gezielt wohnungswirtschaftliche Fragestellungen in den Mittelpunkt.
Nach einer Begrüßung durch Frau Dr. Liebmann von der Bundestransferstelle,
die durch die Veranstaltung führte, gab Dr. Engelbert
Lütke Daldrup,
Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
einen einführenden Überblick über das Anliegen des Förderprogramms
Stadtumbau Ost aus Sicht der Bundesregierung und unterstrich dabei den besonderen
Zeitpunkt für die Veranstaltung zur Halbzeit des Programms. Der Staatssekretär
verwies darauf, dass die heutige Stadtentwicklung, verstanden als moderne
Struktur- und Wirtschaftspolitik unter den besonderen Vorzeichen von Bevölkerungsrückgang
und Stadtumbau verlässliche Partnerschaften benötige, um das Ziel
der zukunftsfähigen Stadt zu erreichen.
Als unerlässlich hierfür hob er den integrierten Ansatz hervor,
der die Bandbreite der unterschiedlichen Problemstellungen berücksichtigt
und ein kooperatives Vorgehen vor Ort befördert. Bezogen auf die Leerstandsentwicklung
zeigt der Stadtumbau in den neuen Ländern inzwischen Wirkung. Lütke
Daldrup forderte alle Akteure des Stadtumbaus darüber hinaus auf, die
Chancen der Aufwertung intensiver zu nutzen. Er verwies dabei auf das
Vorhaben der Bundesregierung, das Programm in absehbarer Zeit zu evaluieren,
um auf dieser Grundlage über die weitere Ausgestaltung und Verlängerung
des Programms über 2009 zu entscheiden. Mit der Fachveranstaltung werde
gewissermaßen die Phase der Zwischenevaluierung des Stadtumbauprogramms
eingeläutet.
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Im Anschluss gab Matthias Waltersbacher, Leiter des Referates für
Wohnungsmarktentwicklung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung,
einen Überblick über wohnungswirtschaftliche Tendenzen in den
neuen Ländern. Dazu präsentierte er aktuelle Ergebnisse aus der
BBR- Wohnungsmarktbeobachtung. Seinen Angaben zufolge haben sich die ostdeutschen
Wohnungsmärkte insgesamt stabilisiert, die Stadt-Umland-Wanderung ist
gebremst, wobei in den Städten eine stabile bis leicht rückläufige
Mietentwicklung zu beobachten ist.
Seiner Schlussfolgerung nach ist derzeit noch ein vergleichsweise günstiger
Zeitpunkt, um durch Stadtumbaumaßnahmen notwendige Anpassungen im
Wohnungsbestand vorzunehmen und diesen zielgerichtet für die unterschiedlichen
Nachfragegruppen zu qualifizieren. Grundlage für die Wohnungsmarktprognose
ist die Aktuelle Regionalprognose 2002-2020 des BBR.
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Prof. Dr. Ulrich van Suntum, Leiter des Instituts für Siedlungs- und
Wohnungswesen an der Universität Münster, legte in seinem Vortrag
dar, mit welchen Strategien sich Wohnungsunternehmen auch in schrumpfenden
Märkten behaupten können. Auf eigene Prognosen gestützt wies
er dabei auf deutschlandweit steigende Haushaltszahlen bis 2025 und durchschnittlich
steigende Realeinkommen hin, wobei regional differenzierte Betrachtungen
sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland notwendig seien.
Besonderes Augenmerk legte er in seinen Darstellungen auf eine kürzlich
abgeschlossene Forschungsarbeit aus seinem Institut, die nach dem Vorbild
des US-amerikanischen Modells der Business Improvement Districts (BID)
ein Modell für die Wohnungsunternehmen entwirft, privatwirtschaftliche
Akteure stärker in den Stadtumbau einzubinden. Außerdem forderte
Prof. Dr. van Suntum die Stärkung kommunaler Kompetenzen in der Wohnungspolitik
und eine generelle Abschaffung der Grunderwerbssteuer.
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Nicola Müller, Geschäftsführerin des Zentralverbandes Haus & Grund
Deutschland, erläuterte in ihrem Beitrag die besondere Situation der
privaten Kleineigentümer im Stadtumbau Ost. Mit einem Marktanteil von über
90 % aller Wohngebäude in Deutschland prägen diese den Wohnungsmarkt
insbesondere in den Innenstädten, gründerzeitlichen Quartieren
und Einfamilienhaussiedlungen am Stadtrand. Die wirtschaftliche Betroffenheit
der Eigentümer von Schrumpfungsprozessen ist in peripheren Regionen
und in bereits fragmentierten Stadtteilen besonders hoch.
Da die privaten Eigentümer insbesondere bei der Umsetzung von Rückbaumaßnahmen
zumeist keinen Ausgleich zwischen mehreren Objekten vornehmen können,
ist die Beteiligung dieser Eigentümergruppe am Stadtumbau Ost bisher
sehr gering. Nach Einschätzung von Nicola Müller wäre es
hilfreich für den Stadtumbau, wenn die Kommunen den Eigentümern
direkte Ansprechpartner und größere fachliche Unterstützung
zur Verfügung stellten. Darüber hinaus ist aus Sicht des Verbandes
vor allem ein stärkerer Akzent auf die Aufwertung der Innenstädte
und spezifische Anreize zur Wohneigentumsbildung in der Stadt notwendig.
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Thema des Beitrags von Jens Zillmann, Teamleiter der Abteilung Wohnungswirtschaft
der NordLB, war eine Einschätzung von Bonität und Finanzkraft
ostdeutscher Wohnungsunternehmen aus Sicht einer Bank. Für die Nord
LB als Landesbank von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die von
Magdeburg aus insgesamt 120 Wohnungsunternehmen betreut, ist die Wohnungswirtschaft
Kerngeschäft. Nach Einschätzung Zillmanns machen sich die Wirkungen
von vier Jahren Stadtumbau durch sinkende Leerstandsquoten und stabile Mietenentwicklung
bemerkbar und haben somit auch positiven Einfluss auf die Wirtschaftskraft
der Unternehmen.
Allerdings tragen die Finanzaufwendungen zwar zu einer Stabilisierung,
nicht jedoch zu einer nachhaltigen Aufwertung der Finanzkraft der Unternehmen
bei. Wesentlich für die Zukunftsfähigkeit und Kreditwürdigkeit
von Unternehmen sei für die NordLB ein wettbewerbsfähiges Portfolio
und ein Management mit strategischer Ausrichtung.
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Peter Stubbe, Geschäftsführer der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft
mbH (LWB), stellte in seinem Vortrag die Strategie seines Wohnungsunternehmens
im Umgang mit Rückgängen und Veränderungen der Wohnungsnachfrage
vor. Das Unternehmen sei hierbei gegensätzlichen Trends des Wohnungswesens
unterworfen, zum einen der Globalisierung der Wohnungswirtschaft und zum
anderen der Kommunalisierung der Wohnungspolitik. In ihrem Wirken versucht
die LWB den Spagat zwischen der Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben und
marktkonformem Verhalten zu leisten.
Für die einzelnen Bestände wurden unterschiedliche Vermarktungsstrategien
entwickelt. Zur Illustration stellte Herr Stubbe bereits realisierte
Stadtumbaubeispiele der LWB aus den Stadtteilen Probstheida und Lindenau
sowie den Umbau des „Wintergartenhochhauses“ vor,
bei denen Abriss und Aufwertung verbunden werden konnten. Für Stubbe
wurde die Konsolidierung der Wohnungsmärkte bisher noch nicht erreicht, „wir
sind beileibe noch nicht am Ende des Tunnels, aber ein bisschen Licht
sehen wir schon, jedenfalls in manchen Regionen“.
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Referat Stubbe
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Anhand der bisherigen Ergebnisse stellt sich der Stadtumbau Ost für
Dr. Angelika Riemer, Referentin beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und
Immobilienunternehmen (GdW), als Erfolg dar. Die Leerstandszahlen der Mitgliedsunternehmen
konnten signifikant verringert werden, die Wohnungsmärkte in Ostdeutschland
haben angefangen, sich auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Auch über
das Jahr 2009 hinaus werde der Stadtumbau in Ostdeutschland eine langfristige,
zentrale Aufgabe sein, wofür die Fortführung des Stadtumbauprogramms
notwendig sei.
Zur Qualifizierung des Stadtumbauprozesses erhofft sich der GdW mehr Planungssicherheit
für die Unternehmen und Kommunen, auch im Hinblick auf den Rückbau
von Infrastruktur, eine ressortübergreifende Zusammenarbeit auf allen
Ebenen (Bund, Länder und Kommunen) sowie eine generelle Lösung
der Frage der Altschulden.
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„Stadtumbaustrategie 2020“ war Titel der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Frau Dr. Liebmann mit Vertretern aus zwei Wohnungsunternehmen, einer Kommune, eines Landes und des Bundes. Die Frage nach der bisherigen Konsolidierung des Wohnungsmarktes und einer notwendigen künftigen Ausrichtung des Stadtumbaus beantworteten die Podiumsteilnehmer in ihren Statements folgendermaßen:
Frau Dr. Regine Rohark, Geschäftsführerin der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft mbH, bewertete den Stadtumbau für die Stadt Bautzen als wirtschaftlichen und stadträumlichen Erfolg, für den es keine Alternative gibt. Unter Konsolidierung versteht Frau Dr. Rohark die Nutzung des Stadtumbaus zur Entwicklung tragfähiger und attraktiver Stadtstrukturen. Stadt und Wohnungsunternehmen hätten bereits frühzeitig die Innenstadt Bautzens als Kern eines langfristigen städtischen Leitbildes festgelegt und begonnen dies umzusetzen.
In Anlehnung an das Stadtentwicklungskonzept der Stadt Greiz/Vogtland betonte Dieter Obenauf, Leiter des Sachgebietes Stadtplanung, die Notwendigkeit der konsequenten Durchführung von Stadtumbaumaßnahmen, um nicht die Prognose von 2002 eintreffen zu lassen, die für die Stadt im Jahr 2020 einen Leerstand von 40 % voraussagt und massive Probleme für Wohnungsmarkt und die Unternehmen mit sich bringen würde. Die Problemgebiete von Greiz seien hauptsächlich Wohngebiete des ehemaligen DDR-Wohnungsbaus, die bis 2020 weitgehend abgerissen werden sollten.
Siegfried Schneider, Leiter des Referates „Grundsatz Städte- und Wohnungsbau, Stadtumbau, Haushalt“ im Ministerium für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, bewertet die bisher erfolgten Abrisse in Sachsen-Anhalt als Zeichen der Aufwertung, da andernfalls die Insolvenz einer großen Anzahl von Unternehmen unvermeidbar gewesen wäre. Die überproportionale Förderung des Abrisses habe die notwendige betriebswirtschaftliche Entspannung gebracht, um in der kommenden Phase Eigeninvestitionen der Marktteilnehmer für die notwendigen Aufwertungsmaßnahmen zu ermöglichen.
Nach Einschätzung von Dr. Hans-Jörg Löther, Geschäftsführer
der Gebäude- und Wohnungsverwaltung Wittstock/Dosse, sind Aussichten
für den Erfolg des Stadtumbaus in seiner Stadt nur dann gegeben, wenn
das Stadtumbauprogramm fortgeführt wird. Die Entwicklung des Stadtumbaus
in der Stadt sei im Wesentlichen durch drei Problemlagen gekennzeichnet:
Ein Schrumpfen von außen nach innen setze die weitere Aufwertung der
historischen Innenstadt voraus. Eine Fusion von Wohnungsgenossenschaft
und Wohnungsgesellschaft wird von Herrn Dr. Löther als Grundlage für
einen erfolgreichen Stadtumbau in Wittstock erachtet, konnte bisher aber
nicht erreicht werden. Überdies mache die Notwendigkeit des Abrisses
von sanierten Objekten mit neuen Krediten veränderte Beleihungsstrukturen
notwendig.
Manfred Hilgen, Leiter des Referates SW 23 Stadtumbau Ost und West im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, hob in seinem Statement die Bedeutung des Bundes für die Städtebauförderung hervor, durch die zahlreiche Investitionen ermöglicht würden. In Erwiderung der These von Prof. van Suntum, dass sich Stadtumbau selbst finanzieren müsse, ist dies seiner Ansicht zwar in ausgewählten Bereichen unter bestimmten Bedingungen möglich, nicht jedoch in den großflächigeren Gebieten des Stadtumbaus in Ostdeutschland. Zur „Kurzatmigkeit der Anpassungen des Stadtumbauprogramms“ führte Herr Hilgen aus, sei es im Rahmen eines „lernenden Programms“ notwendig, auf aktuelle Erfordernisse durch kurzfristige Anpassungen reagieren zu können.
Zum Abschluss der Tagung verwies Herr Hilgen auf die im Jahr 2007 geplante Evaluation des Stadtumbauprogramms. Gewissermaßen als Startschuss werde noch im Mai diesen Jahres ein Fragebogen zum Stand und zu Strategien der Programmumsetzung an die Stadtumbaukommunen versendet und von der Bundestransferstelle ausgewertet. Für die Evaluation sei geplant, wie damals bei der Evaluation des Programms Soziale Stadt, ein Forschungsinstitut zu beauftragen und einen begleitenden Beirat zu gründen. Abschluss dieses Prozesses sei für Ende 2007 vorgesehen, um sich im folgenden Jahr über die Fortsetzung und Ausgestaltung des Programms ab 2010 beraten zu können, was auf Grund der Haushaltsplanungen bereits Anfang 2009 durch entsprechende politische Entscheidungen legitimiert werden müsse.