Links Fachveranstaltung 2004

Foto: Arbeitsgruppe 2

Fachveranstaltung 2004: Bericht aus der AG2

Arbeitsgruppe 2: Nachnutzung und Zwischennutzung von Umbauflächen

Moderation: Dr. Bernd Hunger, Stadtbüro Hunger, Berlin


Impulsreferate:


Berichte aus den Beispielstädten

Die zweite Arbeitsgruppe schloss thematisch an den Einführungsvortrag von Prof. Undine Giseke an, die bereits am Vormittag im Plenum die Ergebnisse eines vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung beauftragten Forschungsprojektes „Zwischennutzung und neue Freiflächen – städtische Lebensräume der Zukunft“ vorgestellt hatte (Projektliste als pdf-Datei). Drei ausgewählte Beispiele, die im Rahmen des Forschungsprojektes untersucht worden waren, wurden in Form von Impulsvorträgen vorgestellt. Sie illustrierten verschiedenste aktuelle Aspekte von Nachnutzung und Zwischennutzung im Hinblick auf die Themenschwerpunkte Low-budget-Finanzierung, Bürgerbeteiligung, Renaturierung von Randlagen und Herstellung neuer Raumkanten.

Frau Werner vom Stadtentwicklungsamt Erfurt schilderte die Rolle der Kommune als Initialzünder im Aufwertungsprozess eines innerstädtischen Quartiers sowie die Schwierigkeiten einer No-Budget-Projektorganisation und -finanzierung am Beispiel des Pilotprojektes „Hopfenecke“ in Erfurt, einer punktuellen Nachnutzung in Form von Freiflächengestaltung. Sie stellte dar, dass in Gebieten mit gering ausgeprägtem bürgerschaftlichen Engagement Projektarbeit von Seiten der Kommune durchaus Impulse für mehr Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner geben und langfristig zu einer sich selbst tragenden Entwicklung führen könne. Jedoch sei ein Mindestmaß an finanziellen Mitteln unerlässlich, da ansonsten Aufwand und Ertrag in einem nicht adäquaten Verhältnis stünden.

Im Projekt „Waldstadt Halle-Silberhöhe“, dargestellt von Ulrike Neubert als ein Beispiel für das „Gesundschrumpfen von Innen nach Außen“, gelang die Finanzierung über eine Koppelung von Ausgleichsmitteln und Geldern aus dem Bund-Länder-Förderprogramm Soziale Stadt: Zielsetzung des Projektes ist es, mit der „Verwaldung“ als Nachnutzungsstrategie von Abbruchflächen den Stadtteil mit dem Landschaftsraum des Saaletales zu verzahnen und somit auch einen gesamtstädtischen Beitrag zu leisten. Die Nachnutzung ermögliche es, ehemals bei der Neuplanung versäumte Siedlungsentwicklungen nachzuholen. Das von Tobias Pfeiffer vorgestellte Projekt „Spur der Steine“, ein ebenfalls in Halle-Silberhöhe angesiedeltes Kunstprojekt zur Stadtschrumpfungsthematik, zeigte Potenziale kultureller Events für die Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner in den Stadtumbauprozess auf.

Ein offensives Konzept im Umgang mit sich auflösenden baulichen Strukturen entlang einer verkehrsreichen Straße stellte Detlef Weitz vom Berliner Büro Chezweitz für die Stadt Aschersleben vor. Mit traufhohen illuminierten Konstruktionen aus Stahl und bespanntem Textil bzw. Begrünung werde, so Weitz, die ehemals dunkle und verwaiste Ortsdurchfahrt wieder gefasst und inszeniert und damit in die Wahrnehmung der Bewohner und Besucher zurückgeholt. Trotz der Möglichkeit von Koppelung verschiedener Fördergelder habe die Stadt hiermit einen relativ finanzintensiven Weg im Umgang mit Abrissflächen eingeschlagen.


Zusammenfassung der Ergebnisse

Die anschließende Diskussion der Projekte machte einen großen Gesprächs- und Entwicklungsbedarf hinsichtlich der rechtlichen und finanziellen Handhabung der Nachnutzung deutlich. Diskussionsschwerpunkte waren zum einen die fehlenden Möglichkeiten zur Finanzierung von Zwischennutzungen, aber auch die Möglichkeiten, die sich aus der Kombination verschiedener Fördermittel ergeben, sowie die Perspektiven kommunaler Projekte als Initialzündung für Eigentümerbeteiligung und Möglichkeiten und Grenzen von Anwohnerengagement.

Ein weiteres wichtiges Anliegen in der Arbeitsgruppe - vor allem für die kleineren Städte - war der Erfahrungsaustausch hinsichtlich Finanzierungsmöglichkeiten und Organisationsstrukturen. Auch Möglichkeiten einer Professionalisierung der Nachnutzung, z. B. durch ein Brachflächenmanagement, wurden angesprochen.

Offen blieb u.a. die Frage, inwiefern das Mehr an Freifläche in der Stadt nicht eher ein Potenzial als nur ein mit dem Abriss verbundenes Übel bedeuten kann. Die Stadtstruktur hat sich immer wieder an den gesellschaftlichen Wandel angepasst. Vielleicht könnten die Städte zu neuem Atem gelangen, indem sie die Chancen der Freiräume nutzen lernen und daraus schöpfen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Navigationsgrafik: Nach oben
Stadtumbau Ost © 2004-2012 IRS-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung.
Im Auftrag des BMVBS vertreten durch das BBSR. Alle Rechte vorbehalten.
Realisierung :: Netzformat :: Internetagentur Berlin Stand dieser Seite: 24.11.06