
Moderation: Christoph Haller, Bundestransferstelle Stadtumbau Ost, IRS Erkner
Impulsreferate:
Berichte aus den Beispielstädten
Die drei Impulsreferate spiegelten ein breites Spektrum der ostdeutschen Stadtumbaustädte wider: Berichtet wurde aus der Großstadt Leipzig (Sachsen), aus der Mittelstadt Eisleben (Sachsen-Anhalt) und der Kleinstadt Neustadt an der Orla (Thüringen).
Stefan Gabi vom Amt für Stadtsanierung und Wohnungsbauförderung der Stadt Leipzig stellte die „Selbstnutzerinitiative“ als einen Weg zur Förderung von Wohneigentum in der Innenstadt vor: Die Selbstnutzerinitiative unterstützt zum einen die Strategie des Erhalts und der Sanierung von gründerzeitlichen Altbauten im Stadtgebiet. Die Selbstnutzergruppen erhalten beim Erwerb sowohl finanzielle als auch organisatorische Unterstützung durch die Stadt. Zum anderen wird durch die Initiative potenziellen Abwanderern ins Umland die Möglichkeit der Realisierung selbstgenutzten Wohneigentums auf innerstädtischen Flächen ermöglicht. Wie Gabi betonte, sei selbst ein Einfamilienhaus in unmittelbarer Nähe zum Leipziger Hauptbahnhof heute vorstellbar, da sich die Bodenpreise in der Innenstadt so stark nach unten entwickelt hätten, dass diese Flächen eine echte Konkurrenz zur „grünen Wiese“ darstellten. In Leipzig sei in gegenläufiger Tendenz zu den Vorjahren seit kurzem wieder ein leichter Anstieg der Einwohnerzahl festzustellen.
Neustadt an der Orla, thüringische Kleinstadt mit 9.000 Einwohnern, verfolgt ebenfalls den gezielten Ausbau der innerstädtischen Wohnnutzung. Die Bauamtsleiterin Kirsten Effenberger erläuterte anhand von Einzelbeispielen die Schaffung von verbesserten Wohnqualitäten durch gezielte Entdichtung in der Innenstadt: Abriss von nicht mehr nutzbaren Gebäuden wird hier zielgerichtet als Mittel zur Innenstadtaufwertung gesehen. Gleichzeitig erfährt der Erhalt der vorhandenen Blockrandstrukturen besondere Aufmerksamkeit. Zielgruppen sind in erster Linie Familien mit Kindern und ältere Bewohnerinnen und Bewohner.
Die Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt - vorgestellt durch Dr. Holger Schmidt - nimmt ebenfalls an ausgewählten Stellen im Altbaubereich Abbrüche vor. In der Stadt, deren Stadtumbauprozess durch die „IBA Stadtumbau 2010“ begleitet wird, werden mit den innerstädtischen Stadtumbauprojekten jeweils eigenständige Stadtentwicklungsziele verfolgt, die von Verbesserung der Wohnqualität bis zur Schaffung eines Empfangszentrums für die Lutherstiftung auf innerstädtischen Abbruchflächen reichen.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Die Beispiele haben gezeigt, dass jede Stadt zwar ihre eigene Strategie der Innenentwicklung erarbeiten muss, sich aber durchaus auch vergleichbare Orientierungen bei der Findung von Wohnalternativen in der Innenstadt als Gegenmodell zum Wohnen im Umland ergeben. Alle drei vorgestellten Beispiele verfolgen die klare Orientierung, innenstadtnahe Wohnalternativen zum suburbanen Umland bzw. zum Plattenbau zu schaffen. Die entsprechenden Planungen und Umsetzungsmaßnahmen werden durch gezielte Marketing-Strategien und eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit begleitet.
In der Diskussion wurde deutlich, dass Abrisse in der Innenstadt generell nicht mehr tabuisiert werden. Abbrüche - verbunden mit gezielten Aufwertungsstrategien, die eine Nachnutzung der Abbruchflächen mit einschließen - können dazu genutzt werden, zeitgemäßes Wohnen in der Innenstadt zu entwickeln, vergleichbar etwa der Strategie der behutsamen Stadterneuerung aus den 1980er Jahren.
Allerdings erschweren (nicht nur in den Beispielstädten) aus heutiger Sicht verfehlte Investitionen der 1990er Jahre in den Plattenbauquartieren am Stadtrand die Entwicklung der Innenstädte. Qualitätvolle Innenentwicklung wird dann verhindert, wenn insbesondere kommunale Wohnungsbaugesellschaften das Programm Stadtumbau Ost zum Abbruch unsanierter innerstädtischer Altbausubstanz nutzen, da der Abriss der gesellschaftseigenen Plattenbauten am Stadtrand durch die auf ihnen lastenden Neuschulden der Sanierung ökonomisch nicht tragfähig erscheint.
Als besonderes Hemmnis für die Aufwertung wurde deutlich, dass es für die Kommunen zunehmend schwieriger wird, den kommunalen Eigenanteil für die Aufwertungsmaßnahmen aufzubringen. Die Stadt Leipzig beispielsweise, die in diesem Jahr selbst einen großen Betrag an Fördermitteln zurückgeben muss, weil Eigenmittel fehlen, sucht nach Wegen, hierfür künftig stärker private Mittel zu mobilisieren.