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unsaniertes Eckgebäude in Halle-Glaucha
Quelle: Gernot Lindemann
Leerstand in Gründerzeithäusern
Quelle: Gernot Lindemann
ungenutzter Wohnbestand
Quelle: Gernot Lindemann
Halle:
Eigentümermoderation
(Sachsen-Anhalt)
Sicherung gründerzeitlicher Wohnhäuser in Halle-Glaucha
Kontext
Die Stadt Halle (234.295 Einwohner im Jahr 2007) hat nach der deutschen Wiedervereinigung durch Abwanderung, Geburtenrückgang und Suburbanisierung etwa 80.000 Einwohner verloren. Der daraus resultierende Wohnungsleerstand von rund 20% (etwa 31.000 WE) zu Beginn des Stadtumbau-Ost-Programms betraf zu fast gleichen Anteilen Alt- und Neubauwohnungen. Inzwischen ist der Leerstand durch Rückbau von 11.000 WE auf ca. 21.500 WE gesunken (15%) und konzentriert sich wieder in den Altbauquartieren der Innenstadt.
Ein besonders problematisches Gebiet ist das gründerzeitliche Arbeiterquartier Halle-Glaucha in der südlichen Innenstadt. Glaucha ist infolge eines jahrelangen Sanierungsstaus geprägt von verfallenden Gebäuden und Straßenzügen. Die Investitionswelle der Wiedervereinigung ist an Glaucha vorbeigegangen, da eine relativ umfangreiche Sanierung zu DDR-Zeiten zur Demonstration sozialistischer Erneuerung von Arbeiterquartieren keinen erhöhten Bedarf in den frühen 1990er Jahren bedingte. Inzwischen hat der sukzessive bauliche Verfall aus dem einst beliebten Wohngebiet ein sozial schwaches Problemquartier mit einem überaus schlechten Ruf gemacht. Die Leerstandsquoten, insbesondere in den zahlreichen schlichten und unsanierten Gründerzeitbauten, erreichen Werte von 30% und mehr. Hinzu kommt, dass das Quartier durch die zumeist stark befahrenen Straßen an seiner Peripherie (vor allem die Hochstraße im Norden) vom Rest der Innenstadt weitgehend isoliert wird. Dabei sind mit der Entwicklung eines großen Pflege- und Krankenhauskomplexes im Norden von Glaucha und der sich unmittelbar östlich anschließenden Schulstadt (Franckesche Stiftungen), neben der zentralen Lage in unmittelbarer Flussnähe, in jüngerer Vergangenheit noch weitere positive Standortfaktoren entstanden.
Die mannigfaltige Problemlage in Glaucha bewegte die Stadt zur Aufnahme des Gebietes in die IBA-Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 und zur Entwicklung eines umfassenden Lösungsansatzes. Einen entscheidenden Schritt zur Bekämpfung der lokalen Missstände sieht man dabei in der Mobilisierung der privaten Kleineigentümer, die im Besitz von fast 70% des Gebäudebestandes in Glaucha sind. Zu diesem Zweck wurde Herr Lindemann (Dipl.- Architekt) 2008 als Eigentümermoderator verpflichtet.
Zielsetzung
Kurze Projektbeschreibung
Um sowohl den bautechnischen als auch den sozialen Herausforderungen in Glaucha zu begegnen, wurde von der Stadt Halle ein 3-gliedriges Modellprojekt entwickelt. Das Büro KARO-Architekten erstellt eine sozial- und stadträumliche Studie für das Quartier, die als grundlage und Leitlinie für die Umsetzbarkeit der verschiedenen Projekte von entscheidender Bedeutung ist. In Anlehnung an bekannte Positivbeispiele aus anderen Kommunen versucht der Verein HaushaltenHalle Zwischennutzungen für die leerstehenden Häuser zu organisieren. Der dritte Bestandteil dieses Modells ist die Beteiligung und Moderation der privaten Kleineigentümer.
Dabei musste sich der Eigentümermoderator zuerst einen Überblick über den baulichen Zustand der Wohngebäude im Quartier machen. Es wurden 25% der Häuser als stark sanierungsbedürftig eingestuft und anschließend der Versuch unternommen, deren Besitzer ausfindig zu machen (die Eigentümer sind überwiegend nicht in Halle ansässig!). Nach einer erfolgreichen Kontaktaufnahme kann bei Interesse bzw. Kooperationsbereitschaft der Eigentümer in einem längerfristigen Moderationsprozess die jeweilige Situation genauer analysiert und erste Lösungsansätze erarbeitet werden. Ziel ist es, die Kleineigentümer zumindest zu Sicherungsmaßnahmen an ihren Objekten zu bewegen. Dabei werden sie sowohl finanziell als auch beratend unterstützt. Die Finanzierung des Eigentümermoderators erfolgt über die IBA aus dem Programm Stadtumbau und aus EU-Geldern. Die Sicherungsmaßnahmen werden mit dem Programm Stadtumbau Ost realisiert (Zuschuss von max. 50% für die Eigentümer).
Darüber hinaus hat Herr Lindemann in enger Kooperation mit dem projektsteuernden Stadtplanungsamt den Kontakt zu den anderen Akteuren im Quartier aufgenommen. Dabei handelt es sich vornehmlich um kulturelle und soziale Vereine und Projekte, die ihrerseits versuchen mit alternativen Maßnahmen und Initiativen die Entwicklung im Quartier zu fördern. Es ist deshalb unablässig sie mit in das Modellprojekt einzubeziehen und zur Zusammenarbeit zu motivieren. Ein wichtiger Schritt war dabei, die Träger des Mehrgenerationenhauses für einen Verbleib in Glaucha zu gewinnen.
Umsetzungsstand
Innovation
Die bisher erfolgte Eigentümermoderation hebt sich insbesondere durch die besondere Art und Weise der Arbeit mit den privaten Kleineigentümern von ähnlichen Vorhaben ab. Es wird versucht auf die individuelle Situation jedes einzelnen Eigentümers einzugehen und ihn in einem intensiven und kontinuierlichen Prozess beratend und fördernd zu unterstützen. Die finanziellen Mittel für die Moderation sind zwar relativ gering, aber der auch daraus resultierende Effekt der Unterstützung und Chanceneröffnung ist für die Handlungs- und Kooperationsbereitschaft der Hausbesitzer von entscheidender Bedeutung, Wichtig ist das Angebot zur Unterstützung der Gebäudesicherung in spürbarer Größenordnung – nach den ersten Erfahrungen im Durchschnitt ca. 40 T€ öffentliche Förderung pro Gebäude Nicht zuletzt die Aufnahme in das ExWoSt-Programm ist Ausdruck der erfolgreichen ersten Schritte, die in Halle-Glaucha gemacht wurden. Darüber hinaus ist der ganzheitliche Ansatz des Modellprojektes hervorzuheben. Die Verbindung von baulicher Aufwertung und Imagekampagne unter Einbeziehung möglichst aller lokalen Akteure kann es möglich machen, dass Glaucha, unter Einbeziehung seines Umfeldpotenzials, wieder zu einem nachgefragten Wohnquartier wird.
Weiterführende Hinweise und Quellen
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