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Das Schwabehaus vor der Sanierung (Quelle: Schwabehaus Dessau e.V.)
Arbeitseinsatz 1999 (Quelle: Schwabehaus Dessau e.V.)
Sommerfest im Hof (Quelle: Schwabehaus Dessau e.V.)
Dessau-Roßlau:
Der Verein Schwabehaus Dessau e.V.
(Sachsen-Anhalt)
Bürgerschaftliches Engagement zur Rettung historischer Altbausubstanz
Kontext
Das Oberzentrum Dessau-Roßlau (beide Städte schlossen sich am 1. Juli 2007 im Rahmen der Gebietsreform in Sachsen-Anhalt zusammen) ist die drittgrößte Stadt in Sachsen-Anhalt.
Ebenso wie viele weitere Städte in den neuen Bundesländern ist auch Dessau-Roßlau geprägt durch eine negativen Bevölkerungsentwicklung. Seit 1991 ist die Zahl der Einwohner von 109.000 auf 90.000 Einwohner im Jahr 2006 gesunken. Dabei war der Bevölkerungsverlust in der Innenstadt Dessaus überdurchschnittlich hoch. Daraus resultieren ein deutliches Überangebot an Wohnraum und ein hoher Anteil innerstädtischer Brachflächen.
Das rasante Wachstum der Stadt während der Industrialisierung führte zur Überformung mehrerer historischer Siedlungskerne. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Dessauer Innenstadt dann erheblich zerstört. Zusätzliche haben auch die Vernachlässigung und der daraus resultierende Verfall der verbliebenen Altbauten während des DDR-Regimes dazu geführt, das der Stadt heute ein starkes Innenstadtzentrum fehlt. Ein zentrales Ziel des Stadtumbaus in Dessau-Roßlau ist es deshalb die Stärkung der Innenstadt als Anker für die umliegenden peripheren Stadtteile.
Bei der Umsetzung der Pläne zur Revitalisierung der Innenstadt ist die Kommune auch auf das Engagement der Dessauer Bürger angewiesen. Beispielhaft für die Sanierung eines historischen Gebäudes in der Innenstadt ist dabei die Sanierung des Schwabehauses. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, eines der letzten Dessauer Fachwerkhäuser aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, drohte Ende der 1990er Jahre nach Jahren der Verwahrlosung zu zerfallen. Auf Antrag des damaligen Eigentümers stimmte der Dessauer Stadtrat deshalb im Jahr 1998 dem Abriss des Hauses zu. Daraufhin riefen einige Dessauer Bürger spontan die Aktion Sonnenflecken ins Leben, um in einer vom Stadtrat gewährten zweimonatigen Frist eine Erhaltungsstrategie für das Haus zu entwickeln. Die Aktion mündete in der Gründung des Vereins Schwabehaus e.V..
Zielsetzung
Kurze Projektbeschreibung
Für den Verein Schwabehaus e.V. stellte sich insbesondere die Aufnahme eines Bankkredites für den Erwerb und die Sanierung des Hauses als Herausforderung dar, da der gemeinnützige Verein über keinerlei Vermögen und Sicherheiten verfügte. Mit Hilfe der GSL Gemeinschaftsbank e.G. wurde deshalb ein spezielles Finanzierungsinstrument zur Anwendung gebracht: die nötige Bürgschaft wurde auf viele Einzelbürgschaften verteilt. Durch eine vom Verein initiierte Aktion „Bürger bürgen für das Schwabehaus“ konnten 78 Bürger für Einzelbürgschaften in Höhe von ca. 250 EUR bis ca. 2.500 EUR gewonnen werden. Ergänzend zum GLS-Kredit konnte die Sanierung des Schwabehauses durch weitere Förderinstrumente unterstützt werden: durch Förderungen von Seiten der Bundesagentur für Arbeit (Vergabe-ABM), Lottomittel und Mittel des Landes Sachsen-Anhalt sowie der Stadt Dessau. Hinzu kamen die Eigenleistungen der Vereinsmitglieder bei der Sanierung sowie Material- und Geldspenden. Für den Erwerb des Hauses mussten rund 160.000 EUR aufgebracht werden, für die anschließende Sanierung insgesamt 1,1 Mio. EUR. Etwa 25 % aller Kosten sind durch den Verein getragen worden, 75 % der Kosten konnten als Zuschüsse akquiriert werden. Die Einwerbung und Abrechnung der Fördermittel wurden vom Verein in ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Die Mitglieder des Schwabehaus e.V. sind Eigentümer des Gebäudes.
Umsetzungsstand
Innovation
Dem Verein Schwabehaus e.V. ist es gelungen, die finanzielle Herausforderung der Sanierung des Schwabehauses mit Hilfe eines innovativen Bürgschaftsmodells der GSL-Bank zu bewältigen. Durch die Bündelung von Einzelbürgschaften Dessauer Bürger (”Dessauer Bürger bürgen für das Schwabehaus”) konnte der Verein den notwendigen Kredit zum Erwerb des Hauses aufnehmen, das stadtbildprägende Fachwerkhaus vor dem drohenden Abriss bewahren und einer neuen Nutzung als öffentlich zugängliches Gebäude zuführen.
Weiterführende Hinweise und Quellen
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