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Projektdatenbank „Gute Beispiele“

 

Chemnitz:

"Agentur StadtWohnen-Chemnitz"
(Sachsen)
Stabilisierung von innerstädtischen Quartieren durch die Förderung von Gemeinschaftswohnprojekten im noch unsanierten Altbaubestand

 

Kontext

Die Stadt Chemnitz liegt im Westen des Freistaates Sachsen und ist nach Leipzig und Dresden mit rund 241.300 Einwohnern (Stand Januar 2009) nicht nur die drittgrößte Stadt des Freistaates, sondern auch die drittgrößte Stadt der Neuen Bundesländer (ohne Berlin).
Seit der Wiedervereinigung hat Chemnitz mehr als 74.300 Einwohner, vor allem bedingt durch die starke Abwanderungen bei gleichzeitigem Rückgang der Geburtenrate, verloren. In der Folge ist ein struktureller Wohnungsleerstand von ca. 33.115 Wohnungen entstanden.
In Reaktion auf diese Entwicklungen hat die Stadt Chemnitz bereits 2002 ein integriertes Stadtentwicklungsprogramm beschlossen, dass auf die veränderten Rahmenbedingungen ganzheitlich reagiert. Mit der Fortschreibung 2005 wurde ein neues städtebauliches Leitbild entwickelt, dass im Zuge des strategisch angelegten Stadtumbaus, eine von Grün durchzogene, verschlankte und dennoch im Inneren kompakte Stadtstruktur mit vielfältigen Wohnmilieus vorsieht. Darauf aufbauend wurden im Dezember 2008 der Entwurf für das SEKo vorgelegt, welches im Juni 2009 durch den Stadtrat beschlossen werden soll. Das SEKo sieht die Stärkung der Innenstadt und der innenstadtnahen Bereiche vor. Dabei sollen die stadträumlichen Qualitäten und gleichzeitig die Attraktivität der Stadt Chemnitz als Wohnstandort verbessert werden.
Insbesondere soll das Wohnungsangebot in Chemnitz an den quantitativ stark verringerten Bedarf und die qualitativ veränderte Nachfrage angepasst werden.
Für die Wohnungswirtschaft und privaten Hauseigentümer besteht durch den Beschluss des Stadtumbaugebietes nach § 171 BauGB vom 05.04.2006 Planungssicherheit über die zu erhaltenden und weiterzuentwickelnden innerstädtischen Bereiche und Stadtquartiere bis zum Beschluss des aktuellen SEKo- Entwurfs.
Das Projekt „StadtWohnen-Chemnitz“ setzt hier an und bezieht sich ausschließlich auf Aufwertungsmaßnahmen im Sinne einer Stabilisierung und Erhaltung der kompakten innerstädtischen Stadtstruktur. Mit der Vermittlung von EIGENTÜMER-NUTZER-KOOPERATIONEN als ein neues Instrumentarium sollen besonders in den zentrumsnahen Bereichen städtebauliche Impulse gesetzt werden.
Seit August 2007 bearbeitet die Agentur die Übertragung des Leipziger Wächterhausmodells in Chemnitz und die damit verbundene Umsetzung städtebaulicher Zielstellungen. In diesem Zusammenhang initiierte die Agentur die Gründung des Vereins Stadthalten Chemnitz als Träger des Wächterhausmodells im Februar 2008. Die Aktivitäten des Vereins werden teilweise durch die Agentur mit unterstützt.
Das Angebot der Agentur StadtWohnen-Chemnitz wurde im April 2009 durch einen weiteren Baustein ergänzt. Nach einem abgeschlossenen zweistufigen Gutachterverfahren, welches im Zusammenhang mit der Implementierung des Stadthausansatzes durchgeführt wurde, wird die Agentur die Entwicklung von Baugruppen im Auftrag der Stadt Chemnitz unterstützen. Dazu werden Moderations- und Beratungsleistungen erbracht, die sich gut in die bestehende Struktur der Agentur integrieren lassen.

 

Zielsetzung

 

Kurze Projektbeschreibung

Die Agentur StadtWohnen-Chemnitz“ ist ein Modellvorhaben, das im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes „Kostengünstig Planen und Bauen“, gemeinsam mit dem Arbeitskreis Integriertes Wohnen e.V. (AIKW e.V.) und der Stadt Chemnitz 2006 entwickelt und erprobt wurde.
Seit Mai 2007 wird die Agentur im Auftrag der Chemnitz in Trägerschaft der Stadtumbau GmbH – Chemnitz als reguläres Beratungsangebot mit folgenden Aufgaben betrieben:

* Information der privaten Eigentümer über Marktsegmente mit Zukunftsperspektive, vor allem über gemeinschaftliche Ansätze des Wohnens als neues Nachfragesegment und Motivierung, diese Marktsegmente zu besetzen

* Motivierung und Aktivierung von Nutzern für die Entwicklung und Umsetzung von gemeinschaftlichen Wohnprojekten als neues Nachfragesegment des innerstädtischen Wohnens

* Erschließung eines für neue, integrative Wohnformen geeigneten Bestandes sowohl auf Miet- als auch auf Eigentumsbasis innerhalb der kompakten Stadt, insbesondere im Altbaubestand, Schwerpunkt sind Gebäudeobjekte privater Eigentümer

* Zusammenführung von Eigentümern und Nutzern zum Aufbau einer Kooperation zur Umsetzung von Wohnprojekten, Entwicklung von Modellprojekten partizipativer Planung zwischen Eigentümern/ Nutzern/ Architekten

* Entwicklung neuer Finanzierungsmodelle zwischen einer dauerhaft vertragsorientierten Mietbindung und selbstnutzerorientierten Bildung von Wohneigentum im Bestand zur Werterhaltung und Weiterentwicklung des Wohnbestandes durch Eigentümer-Nutzer-Kooperationen in Verbindung mit einer verstärkten Mobilisierung privaten Kapitals.
Der Schwerpunkt der Agenturarbeit liegt auf einer intensiven Vermittlungstätigkeit besonders auf Nutzerseite. Die Agentur erfasst die unterschiedlichen Vorstellungen der Nutzer, unterstützt die Bildung von Nutzergruppen und wird moderierend tätig. Mit Vermittlung eines passenden Objektes aus dem Gebäudepool der Agentur an Nutzgruppen entstehen Eigentümer-Nutzer-Kooperationen, die bei der Wohnprojektentwicklung von der Agentur beraten werden. Je nach dem Entwicklungsstand solcher Kooperationen werden über die Agentur entsprechende Fachberatungen aus den Bereichen Planung, Recht und Finanzierung vermittelt. Die Agentur arbeitet hier z.B. mit einem festen Kreis von Chemnitzer Architekten zusammen, die sich als Arbeitskreis „Neue Wohnformen“ der Architektenkammer Sachsen organisiert haben.
Die Entwicklung von Eigentümer-Nutzer-Kooperationen schließt die Bildung von Wohneigentum ebenso ein, wie das Interesse an nachfrageorientierten Mietangeboten. Abhängig von den Nutzungsvorstellungen und der finanziellen Ausgangslage der Projektbeteiligten werden über die Agentur gezielt Investoren angesprochen, die ein Interesse an der Umsetzung von nutzerorientierten Wohnprojekten zeigen.
Seitens der Stadt Chemnitz genießen die Projektentwicklungen der Agentur Priorität in der Ausreichung ggf. möglicher Förderungen. Die Arbeit der Agentur wird durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit begleitet.
Die Umsetzung der Stadthäuser folgt einem ähnlichen Prinzip. Es wird die Verbindung zwischen Eigentümer und Nutzern hergestellt. Die Agentur moderiert die Bildung von Baugruppen und startet die Projektentwicklung. Gemeinsam mit Architekten werden vorhandene Entwürfe durchgesprochen und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Neben Beratungen zur möglichen Finanzierung werden mögliche Rechtsformen erläutert und deren Gründung unterstützt. Die Projektentwicklung schließt mit der Unterzeichnung des Bauherrenvertrages ab.

 

Umsetzungsstand

 

Innovation

Mit der Agentur „StadtWohnen-Chemnitz“ soll eine zur Steuerung des Aufwertungsprozesses geeignete Organisationseinheit etabliert werden, die gezielt neue Nachfragesegmente für das Wohnen im innerstädtischen Bereich erschließt.
Dazu wurden drei verschiedene Bausteine zu einem Angebot zusammengefasst. Die Bildung von Eigentümer-Nutzer-Kooperation dient dem Ziel, gründerzeitliche Objekte durch die Umsetzung von gemeinschaftlichen Wohnformen auf der Basis von Mietobjekten bzw. Bildung von selbstgenutztem Eigentum langfristig zu stabilisieren.
Mit der Umsetzung der Stadthäuser wird ein weiteres Angebot zu Bildung von Eigentum geschaffen. Auch hier stehen gemeinschaftliche Entwicklung durch Nutzergruppen und die Stabilisierung gründerzeitlicher Karreestrukturen im Vordergrund.
Als dritter Baustein wird die Umsetzung von Zwischennutzungen unterstützt, um ein Angebot für kreative Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.
Die Agentur fördert überwiegend das gemeinschaftlich orientierte Wohnen. Durch frühzeitige Einbeziehung der zukünftigen Nutzer werden in Kooperation mit dem Eigentümer und Architekten Nutzungskonzepte entwickelt, so dass ein nachfrageorientierter Wohnraum entsteht. Darüber soll die langfristige Bindung der Bewohner an ein Quartier gestärkt werden. Durch die Förderung von Wohnprojekten können sich Gleichgesinnte zusammenschließen und damit gute nachbarschaftliche Beziehungen aufbauen.
Durch die Kombination aus Interessengemeinschaft, gemeinsamer Projektentwicklung und –umsetzung werden städtebauliche Ziele gefördert, die im Hinblick auf die schwierigen Marktsituation auf herkömmlichen Weg nicht mehr umsetzbar wären.

 

Weiterführende Hinweise und Quellen

 

Ansprechpartner

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