Fotos zum Vergrößern bitte anklicken (neues Fenster):
Gemeinschaftsgarten in Sachsendorf-Madlow, Quelle: www.stadtteilfenster.de
Preis für Sachsendorf-Madlow im Wettbewerb "Soziale Stadt 2006", Quelle: www.stadtteilfenster.de
Cottbus:
Sachsendorf-Madlow: Sozialer Stadtumbau
(Brandenburg)
Förderung des sozialen Zusammenhalts im Stadtumbauprozess
Kontext
Wie viele ostdeutsche Städte hat auch Cottbus (ca. 106.000 Einwohner) in den letzten Jahren zahlreiche Einwohner verloren (23.000 seit 1993). Die größte Cottbuser Großwohnsiedlung Sachsendorf-Madlow verließen zwischen 1993 und 2003 ca. 15.500 Menschen. Sachsendorf-Madlow bildet das Schwerpunktgebiet des Wohnungsrückbaus in Cottbus. Bis zum Jahr 2015 ist der Abriss von 5.000 Wohneinheiten vorgesehen. Mit dem Rückbau und dem Bevölkerungsverlust sind auch soziale Probleme verbunden. Die verbleibenden Bewohner verlieren wichtige soziale Kontakte und Netzwerke, wenn Nachbarn oder Freunde das Wohngebiet verlassen. Seit 1999 ist die Großwohnsiedlung Sachsendorf-Madlow daher auch Programmgebiet im Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“. Im integrierten Stadtentwicklungskonzept der Stadt Cottbus wurde für den Stadtteil Sachsendorf-Madlow das Ziel formuliert, einen qualitativ hochwertigen und sozialverträglichen Stadtumbau durchzuführen. Dazu gehören auch die Stärkung des Gemeinwesens und die Stabilisierung der Sozialstruktur. Deutlich gemacht wird das Anliegen der Stadt, den Stadtumbau auch in seinem sozialen Kontext zu betrachten, im Leitbild des „sozialen Stadtumbaus“.
Zielsetzung
Kurze Projektbeschreibung
Zur Begleitung und Koordination der aus unterschiedlichen Fördertöpfen unterstützten Vorhaben existieren für Sachsendorf-Madlow sowohl eine Koordinierungs- als auch eine Lenkungsrunde. Weiterhin gibt es einen Bürgerbeirat. Dadurch können die Bürger direkt auf die Mittelverwendung aus dem Programm „Soziale Stadt“ Einfluss nehmen, denn der Beirat darf über den Gebrauch von 50 % der Mittel aus diesem Programm sowie über die Projektanträge des Programms „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ bestimmen. Neben diesen Steuerungsgremien gibt es eine ganze Reihe von Initiativen und Aktivitäten, die in den letzten Jahren entstanden sind und wesentlich zur Stabilisierung des Stadtteils beigetragen haben.
Bereits im Jahr 1997 wurde in Sachsendorf-Madlow ein Stadtteilladen eröffnet. Hier können sich die Bewohner bei einem Stadtteilmanager über die Stadtumbaumaßnahmen und die Entwicklungen in anderen Bereichen in Sachsendorf-Madlow informieren. Dazu zählt auch das seit 2005 bestehende Stadteilmagazin „Stadtteilfenster“, dass über die Geschehnisse im Stadtteil informiert, unter anderem über geplante Stadtumbaumaßnahmen, die Verwendung der Aktionskasse aus dem Programm „soziale Stadt“, über Bürgeraktivitäten, Sportkurse oder kulturelle Veranstaltungen.
Ein weiteres Projekt ist der Flüchtlingsverein. Cottbus hat noch immer mit Übergriffen von Neonazis auf Migranten zu kämpfen. Diesem Problem will der Verein in Sachsendorf-Madlow, wo relativ viele Migranten leben, entgegenwirken. Sein Hauptanliegen besteht darin, die Sicherheit von Migranten zu verbessern und den Kulturaustausch und die Beschäftigung von Migranten zu fördern. Dazu werden unter anderem das „Fest der Kulturen“ oder das „Asiatische Drachenfest“ veranstaltet. Andererseits helfen die Mitglieder des Vereins bei der Durchführung von verschiedenen Aufwertungs- und kleinen Umbaumaßnahmen im Stadtteil. Ein Beispiel ist die Bepflanzung einer Rückbaufläche mit Topinambur-Pflanzen gemeinsam mit anderen Bewohnern des Stadtteils. Auf diese Weise ist es gelungen, die Zahl der fremdenfeindlichen Übergriffe in Sachsendorf-Madlow erstmals unter den gesamtstädtischen Durchschnitt zu senken.
„Der Gemeinschaftsgarten“ ist eine weitere Initiative im Rahmen des Sozialen Stadtumbaus. Der Garten wird von suchtmittelabhängigen Menschen unter Betreuung des Futurum e.V., betrieben, kann aber auch von den Anwohnern genutzt werden. Der Futurum e.V. besteht aus Mitgliedern, die suchtkranke Stadtteilbewohner ehrenamtlich, zum Teil in selbstverwaltetem Wohnen, betreuen. Der Garten wurde 2005 auf der Abrissfläche eines ehemaligen Kindergartens nach Abstimmung mit dem Stadtteilmanagement angelegt. Auch hier halfen die Mitglieder des Flüchtlingsvereins bei der ersten Bepflanzung, dem Bau eines Gartenhauses und einer Regenwasserauffanganlage. Von der Ernte im Sommer und Herbst profitieren auch bedürftige Bewohner des Stadtteils, die nicht zum betreuten Klientel des Vereins gehören. Auf diese Weise ist es gelungen, die Akzeptanz für die Arbeit des Futurum Vereins zu erhöhen.
Weiterhin wurde im Jahr 2001 eine Freiwilligenagentur in Sachsendorf-Madlow gegründet. Erklärtes Ziel ist es, die Bürger zu Eigeninitiative und Bürgersinn zu aktivieren. Ihren Sitz hat die Freiwilligenagentur im Soziokulturellen Zentrum, das eine ehemals leerstehende Immobilie nutzt. Dort profitiert es von dem regen Publikumsverkehr und der Nähe zu anderen Initiativen, die in diesem Zentrum ihre Anlaufstelle haben. Mit ihrer Arbeit unterstützt die Freiwilligenagentur die Initiierung ehrenamtlicher Projekte, organisiert Erfahrungsaustausche für Ehrenamtliche und bildet Haupt- und Ehrenamtliche weiter. So konnte nach der Schließung der Stadtteilbibliothek durch die Freiwilligenagentur und mit Unterstützung der Bürger des Stadtteils eine Bücheranlaufstelle eingerichtet werden, die betreute Öffnungszeiten anbietet.
Umsetzungsstand
Innovation
Die Idee des „sozialen Stadtumbaus“ zielt explizit darauf ab, die Bewohner in den Prozess des Stadtumbaus zu integrieren und den vom Abriss betroffenen Bürgern eine Perspektive im Stadtteil Sachsendorf-Madlow zu geben. So wurden verschiedene Initiativen ins Leben gerufen, um soziale Netzwerke wieder aufzubauen. Diese Initiativen wurden von den Bewohnern gut angenommen. Damit entstehen neue soziale Netzwerke, die Sachsendorf-Madlow auch sozial und kulturell wieder lebenswert machen.
Weiterführende Hinweise und Quellen
Ansprechpartner