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Schilder kennzeichnen die zur Verfügung stehenden Flächen (Quelle: IBA Stadtumbau 2010)
Rückbau der ersten Straße im Quartier Leipziger Tor (Quelle: IBA Stadtumbau 2010)
Erste Nacht zum Stadtumbau im September 2006 (Quelle: IBA Stadtumbau 2010)
Dessau:
"Wo Gebäude fallen, entsteht Landschaft"
(Sachsen-Anhalt)
Stadtumbau mit dem Ziel der innerstädtischen Landschafts- und Freiflächenentwicklung
Kontext
Dessau ist derzeit geprägt durch typische Probleme der Städte in den neuen Bundesländern, wie einer negativen Bevölkerungsentwicklung, einem Überangebot an Wohnraum und einem hohen Anteil innerstädtischer Brachflächen. Während die Stadt im Jahr 1990 noch circa 98.000 Einwohner hatte, ist die Einwohnerzahl bis 2006 auf 78.360 EW gesunken.
Ein rasantes Wachstum der Stadt während der Industrialisierung führte zu einer Überformung mehrerer historischer Siedlungskerne. Aufgrund der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und durch den Verfall von Altbauten fehlt heute ein starkes Innenstadtzentrum, wodurch eine künftige Stadtentwicklung von außen nach innen nicht möglich ist. Das städtebauliche Entwicklungskonzept greift den hohen Anteil an freien Flächen und Brachen als Potenzial auf und entwickelt diese in Form von Grünzügen mit unterschiedlichen Freiraumqualitäten weiter. Eines der wesentlichen Entwicklungspotenziale der Stadt ist ihre Lage in mitten des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches in der weiten Auenlandschaft von Elbe und Mulde.
Zielsetzung
Kurze Projektbeschreibung
Als städtebauliches Grundkonzept wurde zunächst der „Zielplan Urbanes Grundgerüst 2020“ entworfen, in denen „stabile Wohnbereiche“, „reduzierte (d.h. zu entdichtende) Wohnbereiche“ und „Gewerbebereiche“ räumlich festgelegt wurden. Ein weiterer Schwerpunkt dieses Übersichtsplans liegt in der Definition unterschiedlicher zum Teil neu zu entwickelnder Landschaftsteile und –qualitäten. Dargestellt wird der bis 2020 geplante innerstädtische Grünzug einschließlich der dauerhaft begrünten Rückbauflächen, innerstädtischer Grünräume und Landschaftsräume der Umgebung. Im Zusammenspiel der verschiedenartigen Grünräume werden vielfältig strukturierte und nutzbare landschaftliche Zonen definiert.
Bei der Erarbeitung der einzelnen Quartierskonzepte stellte sich heraus, dass sich die urbanen Kernbereiche im Laufe von Konzeption und Planung verändern und nicht als statisch fest umrissene und definierte Räume fixiert werden konnten. In der weiteren Konkretisierung werden derzeit Methoden entwickelt, die den Aspekt einer dynamischen und offenen Entwicklung einkalkulieren und entsprechende Reaktionsmöglichkeiten vorsehen.
Einer der Stadtumbauschwerpunkte in Dessau ist das Quartier „Am Leipziger Tor“. Um ehemals bebaute Flächen langfristig in Grünfläche umzuwandeln, hat sich die Stadt dazu entschlossen, einzelne Flächen in erster Linie selbst käuflich zu erwerben. Der Weg über Gestattungsvereinbarungen mit privaten Eigentümern (siehe auch http://www.stadtumbau-ost.info/praxis/detail.php?id=19) wird bisher nur in Ausnahmefällen gewählt. In den Umwidmungsbereichen wurden vielfältige Verfahren zur Bodenneuordnung durchgeführt, im Zuge dessen auch der Gutachterausschuss zur Neuermittlung der Bodenrichtwerte beteiligt war. Im Ergebnis eines aufwändigen Verhandlungsprozesses konnten einzelne Grundstücke durch die Stadt zu einem symbolischen Preis von 1 € pro Grundstück von privaten Eigentümern erworben werden, die derzeit als Teile des Grünzuges umgewandelt werden. Das Verfahren einer langfristigen „Grundstücks- und Immobilienentwertung“ war bei einigen Akteuren insgesamt nicht unumstritten, stellte jedoch für die Stadt die Möglichkeit dar, ehemals bebaute Flächen dauerhaft in Grün- und Freifläche umzuwandeln.
Umsetzungsstand
Innovation
Die Stadt Dessau hat im städtebaulichen Leitbild für den Stadtumbau bereits frühzeitig den Fokus auf die qualitative Entwicklung innerstädtischer Freiflächen gelegt. Neben der Konzentration auf die Stärkung der Urbanen Kerne sollen Freiraumqualitäten entwickelt werden, in dem an die Tradition des Gartenreiches angeknüpft und diese unter Schrumpfungsbedingungen in moderner Form weitergeführt und –entwickelt werden. Auch wenn die Umsetzung auf Quartiersebene oft an seine Grenzen stößt, bleibt die Orientierung am übergeordneten Leitbild bestehen.
Im Rahmen der Umsetzung werden derzeit mit Unterstützung der IBA Stadtumbau 2010 verschiedene Möglichkeiten der Einbeziehung der Akteure vor Ort erprobt (Kontaktstelle Stadtumbau, Werbeaktionen durch Plakate, Stadtspaziergänge etc). Die Themen Öffentlichkeitsarbeit und der Einbeziehung verschiedenster Akteure werden künftig noch an Bedeutung gewinnen. Im September 2006 wurde die erste Nacht des Stadtumbaus mit unterschiedlichen Aktivitäten und Informationsmöglichkeiten für die Bürger durchgeführt.
Ein zentrales Thema bei der In-Kulturnahme von Stadtumbauflächen ist eine neue Form der Aneignung von Stadt-Raum durch ihre Bürger. Sie birgt städtebaulich-räumlich wie auch sozial und kulturell ein hohes Potenzial für die Stabilisierung von Räumen und Quartieren als "Lebenswelten". Diese Form des Bürgerengagements ist verbunden mit einem Lernen über Stadt und ihre demografischen und strukturellen Veränderungen. Eine neue Sicht auf scheinbar destruktive Erscheinungen wie Leerstand, Brachen und ausfasernde Stadtkanten soll helfen, den neu entstehenden Freiraum als tatsächlichen "Frei-Raum" für ein anderes Verständnis von Bürgergesellschaft zu verstehen und sich anzueignen. An die Stelle der klassischen Partizipation tritt die Aktivierung von direkter bürgerschaftlicher Verantwortung.
Weiterführende Hinweise und Quellen
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