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Quelle: Gräfenhainichen Stadtumbau Ost

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Projektdatenbank „Gute Beispiele“

 

Gräfenhainichen:

Charrette
(Sachsen-Anhalt)
Direkte Bürgerbeteiligung beim Planungsprozess, öffentlich und interdisziplinär

 

Kontext

Gräfenhainichen, eine Kleinstadt im Südosten von Sachsen-Anhalt, ist südöstlich von Dessau gelegen. Die ehemaligen Ackerbürgerstadt lag seit einem Jahrhundert inmitten eines Zentrum des Braunkohlenabbaus, das durch die Dominanz der Braunkohlewirtschaft gekennzeichnet war. Mitte der 50er Jahre wurden weitere Tagebaugebiete erschlossen bzw. ausgebaut. Parallel dazu verdoppelte sich die Einwohnerzahl von Gräfenhainichen seit den 50er Jahren bis 1990 auf etwa 10.400. Seit der Stilllegung der Braunkohletagebaue Mitte der 90er Jahre ist die Stadt durch Deindustrialisierung und Bevölkerungsrückgang geprägt. Diese Vorgänge zogen einen Identitätsverlust für die Stadt nach sich . Bis zum Jahr 2002 verringerte sich die Einwohnerzahl auf ca. 8.500.

Westlich und südlich der Altstadt gruppieren sich drei Plattenbaugebiete mit der Hälfte des lokalen Wohnungsbestandes. Das Stadtumbaukonzept zum Wettbewerb Stadtumbau Ost wurde durch die Charrette erstellt. Der Bürgermeister der Stadt gab den Anstoß die neue und intensive Form der Bürgerbeteiligung zu nutzen.

 

Zielsetzung

 

Kurze Projektbeschreibung

Der Name des Verfahrens Charrette ist aus dem Französischen entlehnt und bedeutet "Karren". Im Paris des 19. Jahrhunderts wurden die Arbeiten der Studierenden der Kunstakademie zu Semesterabschluss auf einem Karren zur Akademie gebracht. Wer nicht rechtzeitig fertig war, tätigte noch während der Fahrt die letzten Pinselstriche, zumeist unter reger Anteilnahme der Bevölkerung. Das einfache Prinzip einer Charrette: kommunale Entscheidungsträger, Wohnungsgesellschaften, Planer und Architekten, Unternehmer u. a. Spezialisten erarbeiten in kurzer Zeit mit interessierten Bürgern in einem interdisziplinären Verfahren konkrete Lösungen für die Zukunft der Stadt.

Die Stadtverwaltung sah in der Charrette die Möglichkeit, trotz der „düsteren“ Stimmung in der Stadt neue Ansätze zum Stadtumbau zu finden. Die interdisziplinäre Kerngruppe der Charrette bildeten neun Planungs- und Ingenieurbüros. Eine zweitägige Mini-Charrette und einführende Seminare bildeten die Vorbereitung für die eigentliche Charrette. So hatten alle Beteiligten die Möglichkeit sich mit der neuen Planungsform vertraut zu machen. Die Planungsphase wurde auf eine einwöchige Charrette (April 2002) konzentriert. Dabei erarbeiteten die Planer zusammen mit interessierten Bürgern wesentliche Elemente des Stadtentwicklungskonzeptes (Leitbild, städtebauliche Zielstellungen, differenzierte Rückbaustrategien für die Wohngebiete). Die Bündelung bewährter Arbeitsmethoden und die permanente Rückkopplung mit Entscheidern und Öffentlichkeit führten in sehr kurzer Zeit zu einem konsensfähigen Produkt.

Arbeitsschritte waren u.a. Vor-Ort-Termine, Arbeitsgruppensitzungen, themenbezogene Gesprächsrunden, Zwischenpräsentation für die Öffentlichkeit, Stadtrat und Wohnungsunternehmen sowie die temporäre Mitarbeit interessierter Bürger und Schulklassen. Dazu wurden die Planungen möglichst verständlich und transparent dargestellt und umfassend vermittelt. Die Charrette endete mit einer großen öffentlichen Abschlusssitzung.

 

Umsetzungsstand

 

Innovation

Die Charrette, ist ein zeitlich komprimiertes, interdisziplinäres Planungsverfahren. Sie ermöglicht innerhalb kurzer Zeit die Ausarbeitung umsetzbarer Ergebnisse. Dies wird durch die Beteiligung aller Akteure, Planer, Bürgern und Entscheidungsträger der öffentlichen Verwaltung erreicht und durch die permanente Rückkopplung zwischen allen Gruppen gefördert.

Das konsequent öffentliche und offene Vorgehen führte in Gräfenhainichen zu einer außerordentlichen lokalen Akzeptanz des Stadtumbaus. Weitere Potenziale liegen in der Kosten- bzw. Zeitersparnis und dem Motivationszuwachs. Das Verfahren wurde im Rahmen vom Stadtumbau Ost in den Städten Staßfurt und Merseburg durchgeführt.

 

Weiterführende Hinweise und Quellen

 

Ansprechpartner

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