Einordnung Fotodokumentation

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Info-Satellit im Bereich Geschwister-Scholl-Straße/Douglasstraße
Quelle: Mario Kremling

Kastenmauer auf Brachfläche in der Heinrichstraße
Quelle: Peter Becker

Hybridwall entlang der Straße Hinter dem Zoll
Quelle: Peter Becker

Kontext Zielsetzung Beschreibung Stand Innovation Quellen Kontakt

Projektdatenbank „Gute Beispiele“

 

Aschersleben:

Inszenierte Schrumpfung
(Sachsen-Anhalt)
Gestalterische Ansätze zur Kommunikation des Schrumpfungsprozesses entlang von Hauptverkehrstraßen

 

Kontext

Aschersleben, die älteste Stadt Sachsen-Anhalts, liegt im nordöstlichen Harzvorland und ist als Mittelzentrum Sitz der Kreisverwaltung des Aschersleben-Staßfurter Landes. Nach der Wende verlor die Stadt rund 10.000 industrielle Arbeitsplätze, die bisher nur zu einem geringen Teil durch Neuansiedlungen kompensiert werden konnten. Zwischen 1990 und 2000 ging die Einwohnerzahl um 19 % von 33.725 auf 27.312 zurück. Hauptursachen dieser Entwicklung sind vor allem die Arbeitsmigrationen in die alten Bundesländer und Verluste durch Suburbanisierung.
Im Jahr 2002 standen 15 % der 15.000 Wohnungen des Gesamtbestandes leer. Ein räumlicher Schwerpunkt des Wohnungsleerstandes befindet sich entlang der Ortsdurchfahrten von drei Bundesstraßen, die die Innenstadt umschließen. Für Reisende, die die Stadt durchfahren, ergeben sich daraus Eindrücke, die nicht mit der tatsächlichen Qualität der historischen Stadt Aschersleben korrespondieren. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Stadtumbaus wurde daher auf die Aufwertung dieser Straßenzüge gelegt.

 

Zielsetzung

 

Kurze Projektbeschreibung

Nach den im Januar 2003 begonnenen Abrissarbeiten leerstehender Altbausubstanz entlang der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt, wurde für die mittelfristige Entwicklung der beräumten Flächen die Anlage von Grünflächen favorisiert.
Da der Innenstadtring als Schnittstelle zwischen der historischen Altstadt und der gründerzeitlichen Stadterweiterung jedoch einerseits eine besondere Bedeutung für die räumlichen Beziehungen zwischen diesen und den angrenzenden Einkaufs-, Freizeit- und Wohnbereichen hat, andererseits aber wegen dichter Bebauung, hoher Verschmutzung und Verkehrslärm das Image der Stadt massiv beeinträchtigt, wurde die Umgestaltung des Straßenzuges als ein Thema der IBA 2010 in Sachsen-Anhalt gewählt.
Im Rahmen der IBA entstanden daraufhin auf diesen Flächen temporäre und dauerhafte Nutzungen, die dem Straßenzug ein neues Gesicht geben sollen und den Stadtumbauprozess gegenüber den Bürgern als Wandel mit Chancen vermittelt. Um eine Umsetzung der Maßnahmen zu ermöglichen, hat die Stadt in Einzelfällen Flächen oder auch für den Abriss vorgesehene Wohngebäude aufgekauft.
Eine Maßnahme stellt der an der Ecke Geschwister-Scholl-Straße / Douglasstraße installierte „Info-Satellit“ dar: Dieser steht auf einem temporär mit Bruchmaterial aufgefüllten Sockel eines abgerissenen Eckgebäudes und soll auf die Chance aufmerksam machen, nach den Flächenberäumungen 476 m² der Altstadt neu zu nutzen.
Eine andere Gestaltungslösung stellt die sogenannte „hybridwall“ in der Straße Hinter dem Zoll dar. Sie besteht aus 6,5 Meter hohen Gerüstkonstruktionen, deren Front mit Leinwänden bespannt wurde, die junge Künstler aus Aschersleben gestalteten. Die Installation erstreckt sich in vier Sequenzen über eine Gesamtlänge von 200 Metern, füllt die entstandenen Baulücken aus und führt die städtebauliche Kante weiter. Nachts wird sie zusätzlich beleuchtet und vermittelt so den Eindruck einer nach wie vor geschlossenen Bebauung, ohne den Rückbau zu verschleiern. Die Rückseite wird berankt und die dahinterliegenden Brachflächen als Parkraum genutzt.
In unmittelbarer Nähe zur „hybridwall“ befindet sich ein weiterer Lösungsansatz. An dieser Stelle wurde eine Brachfläche mit einer Mauer geschlossen, deren Wände photorealistisch bedruckt wurden. Dargestellt werden geöffnete Fenster, die einen Einblick in das symbolisierte „Leben hinter dem Fenster“ erlauben und Alltagsszenen darstellen. Zusätzlich wurde eine Tür installiert, um den Eindruck einer noch existierenden Bebauung zu stärken, ohne die Abrissmaßnahmen zu verstecken.
Eine weitere Maßnahme befindet sich in der Heinrichstraße. Hier wurde entlang einer Brachfläche eine Mauer aus gleichgroßen Kastensegmenten errichtet. Die Kästen wurden dann mit verschiedensten Materialien befüllt, die über Bruchmaterial aus den Abrissarbeiten bis hin zu Radkappen und Waschbecken reichen. Durchgeführt wurde diese Maßnahme durch Auszubildende der örtlichen Handwerkerbetriebe.

 

Umsetzungsstand

 

Innovation

Die durchgeführten Maßnahmen vermitteln die Ambivalenz des Themenkomplexes Leerstand-Abriss-Schrumpfen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten kreativer Nutzung. Die aktuelle Entwicklung der Stadt Aschersleben wird plakativ thematisiert und gleichzeitig ein Bezug zur Vergangenheit hergestellt. Durch die Einbindung der Bevölkerung konnte die Identität mit der Stadt gesteigert und den Jugendlichen Raum für eigene künstlerische Gestaltungen eingeräumt werden. Daraus resultierte eine Plattform zur kontroversen Auseinandersetzung mit dem Prozess des Stadtumbaus.
Problematisch ist jedoch die Kostenintensität einzelner Maßnahmen. So kostete die Installation der „hybrid wall“ ca. 400.000 Euro.

 

Weiterführende Hinweise und Quellen

 

Ansprechpartner

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