Einordnung Fotodokumentation

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Stadthäuser in der östlichen Nikolaivorstadt - Rothenburger Straße
Quelle: Toscano GmbH, Görlitz

Quartier Am Hirschwinkel vor dem Umbau
Quelle: Toscano GmbH, Görlitz

Quartier Am Hirschwinkel, vor dem Abschluss der Baumaßnahmen
Quelle: Toscano GmbH, Görlitz

Kontext Zielsetzung Beschreibung Stand Innovation Quellen Kontakt

Projektdatenbank „Gute Beispiele“

 

Görlitz:

Östliche Nikolaivorstadt
(Sachsen)
Aufwertung eines innerstädtischen Quartiers durch den Einsatz von Investoren und privater Kleineigentümer

 

Kontext

Görlitz liegt als östlichste Stadt Deutschlands an der sächsischen Grenze zu Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Mittelstadt 1945 seine Oststadt, heute die polnische Stadt Zgorzelec, sowie den östlichen Landkreis und wurde erstmals in seiner langen Geschichte zur Grenzstadt. In den letzten sechzig Jahren ging die Einwohnerzahl um ein Drittel zurück. Der politische Umbruch 1990 weckte die Hoffnung auf den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt mit ihrer Grenzlage zwischen Westeuropa und Osteuropa. Die Stadt verliert jedoch weiterhin stetig an Bevölkerung. Während im Jahr 1989 noch 78.748 Bürger in der sächsischen Mittelstadt Görlitz lebten, so sind es heute nur noch 57.629 Einwohner (Stand 2006). Um die durch diesen Einwohnerrückgang verursachte Leerstandsquote von 28 Prozent zu bewältigen, ist Görlitz seit dem Jahr 2003 am Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost beteiligt.

 

Zielsetzung

 

Kurze Projektbeschreibung

Die Umgestaltung in der östlichen Nikolaivorstadt an der Großen Wallstraße erfolgt in zwei Abschnitten. In dem Quartier Rothenburger Straße / Große Wallstraße erfolgte von 1999 bis zum Jahr 2003 eine Neuordnung mit Umbau, Sanierung und Neubau durch einen Investor. Mehrere benachbarte Grundstücke mit ruinösen Gebäuden sowie größeren Baulücken wurden mit dem Ziel einer Grundstücksneuordnung erworben. Die Wieder- bzw. Neubebauung der Grundstücke erfolgte mit gebietstypischen, kleinteiligen Haustrukturen. Reste historischer Bauten und Außenanlagen sind in die Rekonstruktionen einbezogen worden. Das städtebauliche Konzept sah Baustrukturen für innerstädtische Einfamilienhäuser mit einer Gartenfläche von etwa 200 m² vor. Nach anfänglich zögerlicher Vermarktung, die insbesondere auf das schlechte Image des Stadtgebietes zurückzuführen waren, konnten alle Grundstücke innerhalb von 3 Jahren (mit Bauverpflichtung) verkauft und abschließend bebaut werden. Die Käufer waren überwiegend junge Familien, die die kleinen Stadthäuser selbst nutzen.

Seit 2004 wird im zweiten Abschnitt ein weiteres Quartier entwickelt. Nach dem Abriss einer Gewerbebrache auf dem 5.000 m² großen Gelände der ehemaligen Volltuchfabrik entsteht ein neues Wohnquartier Große Wallstraße/ Am Hirschwinkel. Ein privater Investor kaufte die Grundstücke um das Quartier schwerpunktmäßig baulich und städtebaulich neu zu strukturieren. Dabei werden die historischen Baustrukturen der Wohnbauten saniert, teilweise wieder errichtet und mit moderner Architektur ergänzt. Die bereits hergerichteten Gebäude wurden ausschließlich durch Selbstnutzer erworben. Der Verkauf der unbebauten Grundstücke erfolgt an Erwerber, die jeweils selbst später als Bauherren ihr neues Einfamilienhaus errichten. Zur Sicherung der städtebaulichen Ziele für die neue bauliche Ausformung des Quartiers wurde eine städtebauliche Vereinbarung mit der Stadt Görlitz und dem Grundstückseigentümer geschlossen. Grundlage für die Vereinbarung bildete ein städtebaulicher Entwurf der Toscano GmbH, der zur gemeinsamen Vermarktungs- bzw. Planungs- und Genehmigungsgrundlage für die einzelnen Bauvorhaben wurde. Der städtebauliche Entwurf wurde in kooperativer Diskussion mit verschiedenen Fachämtern der Stadtverwaltung Görlitz aufgestellt. Im neuen Bauensemble (mit der Verbindung von historischen und modernen Baustrukturen) wurde bewusst auf ein B-Planverfahren verzichtet, um den künftigen Eigentümern individuelle Einflusse zu ermöglich.

 

Umsetzungsstand

 

Innovation

Durch das Engagement von Investoren wurden Gebäude vor dem Totalverfall gerettet und ein Signal für die weitere Aufwertung des Quartiers gesetzt sowie benachbarte Privateigentümer zu Sanierungsmaßnahmen ermutigt. Der Verkauf von Wohnungen oder Bauland an private Eigentümer – vor allem Selbstnutzer – hatte nicht nur positiven Einfluss auf das Image des Quartiers, sondern trug zur stärkeren Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtgebiet bei.

Die im Quartier am Hirschwinkel gewählten Instrumente – die städtebauliche Vereinbarung sowie das kooperative Management zwischen Gemeinde und privaten Kleineigentümern – werden es ermöglichen, das Planungsziel unter den schwierigen Bedingungen überhaupt noch zu erreichen.

Die Stadtumbaumaßnahmen in der östlichen Nikolaivorstadt bewirkten die großräumige Verbesserung für den gesamten Stadtteil, der mittlerweile zu einem beliebten Wohnstandort, vor allem für junge Familien, geworden ist.

 

Weiterführende Hinweise und Quellen

 

Ansprechpartner

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