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Bauabschnitt 1 vor Beginn des Umbaus Quelle: Gantz
Bauabschnitt 1 im Umbau Quelle: Gantz
Bauabschnitt 1 nach dem Umbau Quelle: Gantz
Dresden:
Großsiedlung Gorbitz - Quartier Kräutersiedlung
(Sachsen)
Entwicklung von Großstrukturen zu städtebaulich differenzierten Quartieren
Kontext
Die Landeshauptstadt Dresden musste zwischen 1989 und 1998 Bevölkerungsverluste von rund 510.000 auf rund 472.000 Einwohner hinnehmen. Seit 1999 verweisen vorliegende Prognosen auf eine Stabilisierung dieser Entwicklung und einen kontinuierlichen leichten Zuwachs an Bewohnern. Die Verluste blieben aber ebenso wie der Neubau von ca. 40.000 Wohnungen nicht ohne Auswirkungen: Heute, im Jahr 2004 stehen 40.000 Wohnungen in Dresden leer, die Leerstandsquote beträgt durchschnittlich 14,2 %.
Ende der 1990er Jahre waren die größten Leerstände in den Gründerzeitvierteln der Stadt zu finden. Mit fortschreitender Sanierung reduzierten diese sich in diesen Quartieren jedoch, während in den großen Plattenbaugebieten wachsende Leerstände zu verzeichnen sind. Vor diesem Problem stand auch die Großwohnsiedlung Gorbitz als größtes und jüngstes Plattenbaugebiet Dresdens. Die Bebauung des Stadtteils erfolgte 1981-1989 monoton vorwiegend in 6-geschossiger Bauweise. Bis 2003 hatten 42 % der Bewohner den Standort verlassen.
Mit dieser Problemstellung beschäftigt sich bereits seit 1998 die Projektgruppe Stadtteilmarketing Gorbitz, in der sich die Wohneigentümer gemeinsam mit anderen Investoren in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt für eine integrierte Standortentwicklung einsetzen und gemeinsame Strategien zur Sicherung der Funktionsfähigkeit des Gebietes entwickeln. Die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden eG ergriff 2001 als größter Eigentümer in Gorbitz die Initiative und etablierte das erste Dresdner Pilotprojekt – die Kräutersiedlung – mit konkreten Planungen, in denen umfangreiche Umbauten zur Aufwertung des Stadtteils vorgesehen waren.
Zielsetzung
Kurze Projektbeschreibung
Nach dem ursprünglichen Konzept sollte die gesamte am nördlichen Rand der Großwohnsiedlung Gorbitz liegende Kräutersiedlung in Anpassung an die nahe liegende Kleinsiedlung aus den 1930er Jahren durch Rückbau der 6-geschossigen Gebäude auf 3-4 Geschosse neu gestaltet werden. Das Konzept beinhaltet die Auflösung der monotonen Zeilen einzelne Herausnahme von Eingängen, so dass kleinere Gebäudestrukturen mit 2-3 Eingängen entstehen. Die Grundrisse sollten dem Bedarf der künftigen Bewohner angepasst werden. In die Gestaltung des Wohnumfeldes wurden Mietergärten integriert. Das Gesamtkonzept wurde nach einem von der Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft ausgelobten Wettbewerb von einem Planungsbüro erstellt. Um im Rahmen des Gesamtkonzeptes architektonische Vielfalt zu erreichen, sollten unterschiedliche Architekten bei der Gestaltung von 4 unterteilten Bauabschnitten wirksam werden.
Vor und während der Umsetzung des Pilotprojektes fanden umfassende Beteiligungsprozesse statt. Das Vorhaben wurde in der Projektgruppe Stadtteilmarketing vorgestellt. Da die Kräutersiedlung das erste Stadtumbauprojekt in Dresden war, wurden die Genossenschaft erstmalig mit umbaubedingten Umzügen konfrontiert. Viele Bewohner mussten, auch weil sie mit den gegebenen Wohnbedingungen noch zufrieden waren, von der Notwendigkeit des Umzuges überzeugt werden. Die zukünftige Gestaltung des Gebietes traf jedoch generell auf Zustimmung. Um die Erfordernisse des Mietermanagements genauer bestimmen zu können, wurde eine Befragung der Bewohner des Quartiers durchgeführt. Viele Betroffene äußerten die Absicht, in die umgebaute Kräutersiedlung zurück zu ziehen zu wollen. Das Mietermanagement wurde durch ein Sanierungsbüro, das den Betroffenen in allen Fragen des Umzuges zur Seite stand und den gesamten Umbauprozess begleiten sollte, gewährleistet. Dem hohen Informationsbedürfnis der Betroffenen wurde durch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit in den Medien begegnet. Für die Bewohner wurde der „Kräuterbote“ als Stadtumbauzeitung mit detaillierten Informationen herausgegeben.
Umsetzungsstand
Innovation
Im Rahmen des Projektes Kräutersiedlung konnte gezeigt werden, wie aus einfach monostrukturierten Plattenbaustrukturen zeitgemäße Wohnbauten mit verschiedenartigen Grundrissen entwickelt werden können, die den heutigen vielfältigen Wohnansprüchen gerecht werden. Die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft wurde durch für das Projekt mit dem Bauherrenpreis „Modernisierung 2003“ ausgezeichnet, der vom Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen - GdW, dem Bund Deutscher Architekten und dem Deutschen Städtetag ausgelobt wird. Obwohl das Pilotprojekt nicht vollständig umgesetzt werden kann, konnte doch für die Großwohnsiedlung insgesamt eine deutliche Attraktivitätserhöhung und ein hoher Zugewinn an Bekanntheit erzielt werden.
Weiterführende Hinweise und Quellen
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