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Info-Satellit im Bereich Geschwister-Scholl-Straße/Douglasstraße
Quelle: Mario Kremling
Herabzonen eines Plattenbaus, Fritz-Knape-Straße
Quelle: Mario Kremling
Bereich Curthstraße: Aufgewertete Geschossbauten aus den 1930er Jahren
Quelle: Mario Kremling
Aschersleben:
Kontraktion des Siedlungsgefüges
(Sachsen-Anhalt)
Konzentrische Schrumpfung
Kontext
Aschersleben liegt im nordöstlichen Harzvorland Sachsen-Anhalts und ist als Mittelzentrum Sitz der Kreisverwaltung des Aschersleben-Staßfurter Landes. Nach der Wende verlor die Stadt rund 10.000 industrielle Arbeitsplätze, die bisher zum geringen Teil durch Neuansiedlungen kompensiert werden konnten. Zwischen 1990 und 2000 ging Einwohnerzahl um 19 % von 33.725 auf 27.312 zurück. Hauptursachen dieser Entwicklung sind vor allem Arbeitsmigrationen in die alten Bundesländer und Verluste durch Suburbanisierung.
Im Jahr 2002 standen 15 % von den 15.000 Wohnungen des Gesamtbestandes leer. Dabei belief sich der durchschnittliche Leerstand im Altbaubestand auf 30 %, während rund 7 % im zwischen 1949 und 1990 errichteten Plattenbaubestand leerstand. Der räumliche Schwerpunkt des Altbauleerstands konzentriert sich im Bereich einer Ortsdurchfahrt im Zuge dreier Bundesstraßen, während im Plattenbaubestand die höchsten Leerstände im 1988/ 89 fertig gestellten, peripheren Wohnstandort Bereich Helmut-Welz-Straße vorliegen. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept von 2002 wird derzeit fortgeschrieben.
Zielsetzung
Kurze Projektbeschreibung
Es wurden Handlungsschwerpunkte bzw. Bereiche im bestehenden Siedlungsgefüge ermittelt, in denen mit Einzelmaßnahmen der gestellten Zielsetzung zugearbeitet wird. An der Ortsdurchfahrt begann im Januar 2003 der Abriss verfallener Altbausubstanz. Für die mittelfristige Entwicklung beräumter Flächen wird die Anlage von Grünflächen favorisiert. Zur Kommunikation des Stadtumbauprozesses dient das Pilotprojekt „Info-Satellit“: Dieser besteht aus einem temporär mit Bruchmaterial aufgefüllten Sockel eines abgerissenen Eckge-bäudes, um als Symbol auf die Chance aufmerksam zu machen, nach den Flächenberäu-mungen 476 m² der Altstadt neu zu nutzen. Mit Durchwegung der beräumten Flächen sollen Bewohner auf positive Aspekte von Stadtumbaumaßnahmen hingewiesen und zur Nutzung dieses Altstadtgeländes ermutigt werden.
Nach Umsetzung der Rückbaumaßnahmen an der Ortsdurchfahrt soll es weitere Abrisse im Altbaubestand grundsätzlich nur noch vereinzelt durch Eigentümer und als Ordnungsmaßnahme geben. Künftige Aufwertungsmaßnahmen werden im Bereich der Innenstadt konzentriert. Die Neunutzung einer innenstadtnahen Industriebrache (ehemaliges „Verpackungsmittelwerk OPTIMA“) wird als weiterer Entwicklungsschwerpunkt gesehen. Von den eingesetzten Mitteln aus der Stadtkasse wird ein Aktivierungseffekt von 1:5 erwartet, da Gelder der Stadtsanierung, des Denkmalschutzes und des Stadtumbaus in Kombination genutzt werden können. Dies soll lokale Firmen, vor allem aus dem Handwerk, in Bauprojekte vor Ort einbeziehen (Projekt „Bestehornpark“).
Im innenstadtnahen Wohngebiet Bereich Curthstraße mit Geschossbauten aus den 1920er bis 1950er Jahren, das in der Nähe eines vielbefahrenen Teils der Ortsdurchfahrt gelegen ist, erfolgte bereits eine Sanierung von Gebäuden und Wohnumfeld. Eine Besonderheit ist hier ein Wohnblock aus den 1980er Jahren, der nicht komplett abgerissen, sondern durch Herabzonen von 5 auf 3–4 Geschosse terrassiert wird. Einerseits entstehen so attraktive Wohnungen in bevorzugter Lage, andererseits behält der umgebaute Wohnblock seine Funktion als Lärmriegel zwischen Ortsdurchfahrt und einem dahinter liegenden, älteren Wohngebiet. Im peripher im Osten der Stadt gelegenen Plattenbaugebiet „Bereich Helmut-Welz-Straße“ aus den 1980er Jahren läuft der Abriss seit 2004. Das Gebiet soll im Rahmen der Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes inklusive der zugehörigen technischen und sozialen Infrastruktur komplett zurückgebaut werden.
Umsetzungsstand
Innovation
Die Besonderheit des Stadtumbaus in Aschersleben ist die Konsequenz, mit der die Kontraktion auf die traditionellen Stadtgrenzen umgesetzt wird. Zum einen soll nach Abriss dauerhaft leerstehender Altbauten und Umbauten an der Ortsdurchfahrt dem negativen Image des Bereiches entgegengearbeitet werden. Zurzeit noch symbolhafte Vorschläge für Nachnutzungen wie der „Info-Satellit“ dienen angesichts der Dimension noch ausstehender Rück- bzw. Umbaumaßnahmen zur Förderung einer Auseinandersetzung der Bewohner mit dem Stadtumbau, um Nachnutzungen primär durch privates Engagement zu initiieren.
Zum zweiten wird der geplante Totalrückbau des peripheren Plattenbaugebietes auch bereits sanierte Bestände in einem aufgewerteten Umfeld betreffen, obwohl dies einen hohen finanziellen Verlust bedeutet. Der beschriebene Teilrückbau des Wohnblocks wird nicht durch Mittel aus dem Stadtumbauprogramm gefördert, aber aufgrund seiner Bedeutung für das Quartier trotzdem durchgeführt.
Insgesamt wird die Strategie der konzentrischen Schrumpfung durch Kontinuität der Funktion „Einkaufen“ in der Innenstadt getragen. Dank bereits erfolgter Begrenzung des Einzelhandels auf der „Grünen Wiese“ besteht nun die Chance, die Innenstadt Ascherslebens durch Erhalt und Umbau zu einem Ort der Lebensqualität zu entwickeln.
Weiterführende Hinweise und Quellen
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